Beyond Reasonable Doubt

A life scientist’s thoughts on life science, evolution, religion and a bit of anything
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"Isn't it enough to see that a garden is beautiful without having to believe that there are fairies at the bottom of it too?"

- Douglas Adams, The Hitchhikers Guide To The Galaxy


Archive for the ‘Bücher/Medien’


…und Za(c)k!

Ich bin seit Maniac Mansion und Leisure Suit Larry ein riesen Fan von Adventures. Leider ist in dieser Richtung in den letzten Jahren (eigentlich seit Day of the Tentacle und Sam & Max) kaum noch was vernünftiges auf den Markt gekommen (meiner Meinung nach zumindest).

Um so begeisterter war ich gestern, endlich vom Release von Zak McKracken 2 zu lesen. Ich hatte das Projekt mit dem Untertitel Between Time And Space zwar vor einiger Zeit (in Jahren messbar) schon mal in den Bookmarks, aber da dort ziemlich lange nichts passiert ist dachte ich, das hätte sich wohl erledigt. Nun ja, jetzt kann man sich das vom ersten Eindruck her sehr gelungene Adventure kostenlos runterladen (immerhin 2 GB). Die Steuerung basiert auf dem guten, alten Verbensystem mit Inventar, das aus mir unbekannten Gründen in der Entwicklung kommerzieller Titel seit Jahren vollständig ignoriert wird. So, alles weitere erklärt sich nach dem wie gesagt kostenlosen Download von selbst – ich will jetzt spielen …und Za(c)k! ;-)

Buchempfehlung

Heute gibt’s endlich mal wieder ein vernünftiges Update, das sogar länger als zehn Zeilen ist. :-)

Ich habe mir auf einen Tipp von Scheff hin vor ein paar Wochen das Buch The Biology of Cancer von Robert Weinberg bestellt. Es ist ziemlich neu (1. Ausgabe von Mai 2006, das Paperback ist glaube ich erst 2007 erschienen), im Moment also so aktuell wie es eben geht. Abgerundet wird es durch die allgegenwärtige CD mit allen Abbildungen, zusätzlichen Informationen usw. und ein Poster mit den wichtigsten Cancer Pathways von Cell Signaling. Das ist zwar gewohnt unübersichtlich, sieht dafür aber gut aus.

Der Autor ist natürlich selbst Krebsforscher und hat immens wichtige Beiträge zum Verständnis von Krebserkrankungen geleistet. Den meisten die sich schon mit dem Thema befassen dürfte er sowieso ein Begriff sein.

Nun aber zum Buch: Ich muss zugeben, dass ich selbst erst zu einem guten Drittel durch bin. Zuerst hat mich der Versand vom Lesen abgehalten, denn das Buch war drei Wochen unterwegs. Ich habe es bei Amazon.com bestellt, so hat es mich am Ende nur 38 Euro und eine Fahrt zum Zollamt gekostet. Den Umweg kann ich beim derzeitigen Dollarkurs also nur jedem ans Herz legen… Danach hat mich auch noch das neue Buch von Ken Follet aufgehalten, dass immerhin 1200 Seiten stark und ebenfalls sehr zu empfehlen ist. ;-)

Wie auch immer, das Buch ist vorwiegend als Lehrbuch konzipiert und beginnt mit einer recht knappen Einführung in das benötigte Vorwissen, von Darwin und Mendel bis zu etwas molekularbiologischem Grundwissen. Dabei bemerkt man auch von Anfang an die Stärke des Buches: Es werden selten nur die Erkenntnisse zusammengefasst, sondern meist auch auf die Geschichte eingegangen, welche Gedanken und Experimente zu diesen geführt haben und wie sie durchgeführt wurden. Das macht den Text nicht nur plastischer, sondern auch interessanter zu Lesen.
Natürlich gibt’s dazu jede Menge Abbildungen, Zusatzkästen mit weiterführenden Informationen usw.

Es würde jetzt zu weit gehen, den Inhalt hier zusammen fassen zu wollen. Es wird eben, so weit ich das beurteilen kann, praktisch jeder Aspekt der aktuellen Krebsforschung beleuchtet und der Stand der Dinge präsentiert.

Das Buch ist also nicht nur als Lehrbuch für Studenten der Life Sciences interessant, sondern auch für Forscher, die ein paar Lücken schließen und/oder sich ein möglichst vollständiges Nachschlagewerk ins Regal stellen möchten.

Live und in Farbe

Sakaue-Sawano et al.1 berichten in der aktuellen Ausgabe von Cell über eine Methode, die die direkte Beobachtung des gesamten Zellzyklus in lebenden Zellen erlaubt. Der Zellzyklus beschreibt die Teilung einer Zelle und kann in verschiedene Phasen eingeteilt werden. Dabei war es bisher unter dem Mikrospop nur möglich, die Mitose-Phase (und den Übergang zur G1-Phase , also dieTeilung an sich) lebender Zellen zu erkennen. In diesem Stadium sind die Chromosomen im Zellkern kondensiert und lassen sich leicht voneinander unterscheiden. Ausserhalb der Mitose liegt die DNA, das Chromatin, unkondensiert vor und wird mikroskopisch als recht homogene Masse wahrgenommen.
Bisher war die Proliferation in der Interphase (G1, S und G2) demnach nur durch den Nachweis bestimmter Schlüsselmoleküle erforschbar, also letztendlich durch die Beobachtung bestimmter Banden nach einer Gelelektrophorese oder durch immunhistochemische Verfahren, für die die Zellen fixiert werden müssen. Diese Schlüsselmoleküle, unter anderen der Replikationsregulator Cdt1 und sein Inhibitor Geminin, werden in fester Abfolge exprimiert und sind jeweils am Auslösen des Übergangs in die nächste Phase des Zellzyklus beteiligt.

Nach dem Übergang werden die nicht mehr benötigten Proteine dann ubiquitinyliert und enzymatisch abgebaut. Verantwortlich dafür sind unter anderem die Enzymkomplexe SCFskp2 und APCCdh1, deren Auftreten durch Zellzyklus-abhängige Expression und gegenseitige negative Rückkopplung die späte M- und G1-, bzw. S- und G2-Phasen markieren kann. Um Cdt1 und Geminin als Marker für den Zellzyklus einsetzen zu können, wurden deren Gene mit Genen fluoreszierender Proteine (mKO2 und mAG) verbunden und ins Genom eukaryontischer Zellen eingebracht. Die so hergestellten Zellen fluoreszieren während der späten M- und der G1-Phase rot, während des Übergangs in die S-Phase gelb (beide Farbstoffe liegen vor) und in der späten S-, G2- und frühen M-Phase grün.

Leider sollte ich wohl aus Urheberrechtlichen Gründen keine Figures abbilden, aber der Blick in die Originalarbeit lohnt sich alleine schon wegen der so ermöglichten Aufnahmen von entstehenden Nervengeweben transgener Mäuse.

Diese Methode wird sicherlich einen enormen Fortschritt in der Erforschung verschiedener Bereiche, in der die Zellteilung eine Rolle spielt, wie Krebsentstehung, Alterung oder die Embryonalentwicklung ermöglichen. Ich bin gespannt, was aus diesem viel versprechenden Ansatz in den nächsten Jahren gemacht wird.

Alles klar geworden? Da dies mein erster Bericht über aktuelle Forschungsinhalte ist, ist er sicher noch nicht perfekt. Ich habe versucht, eine Balance zu finden zwischen einer Zusammenfassung für Wissenschaftler der life sciences (die für die Details und die Methoden in die Originalarbeit schauen müssen) und einer verständlichen Erklärung der wichtigsten Aussagen für interessierte Laien. Feedback, ob mir dies gelungen ist, bzw. was ich anders machen sollte, ist auf jeden Fall sehr willkommen!

  1. Sakaue-Sawano A et al. (2008). Visualizing Spatiotemporal Dynamics of Multicellular Cell-Cycle Progression. Cell (132) 487-498.
  2. Die Überschrift und die eine oder andere Aussage des Textes sind durch den im gleichen Heft erschienen Kurzreview “The Cell Cycle: Now Live and in Color” inspiriert.

Nimm ordentlich Spinat, da ist viel Eisen drin.

Es gibt immer Mal wissenschaftliche Irrtümer die es schaffen, in der Bevölkerung und auch bei vielen Fachleuten als Fakt anerkannt zu werden.

Dass die “Tatsache”, Spinat habe besonders viel Eisen (und sei daher auch besonders gesund) ein Irrtum ist, ist mittlerweile fast schon zu trivial um hier erwähnt werden zu müssen (Das wirklich enthaltene Eisen ist übrigens nicht einmal bioverfügbar, das gibt der ganzen Geschichte finde ich noch einen zusätzlichen Kick). ;-) Der Eisengehalt getrockneten Spinats wurde in einer Veröffentlichung (wohl versehentlich) als Eisengehalt frischen Spinats ausgewiesen, was dann ziemlich genau einen Faktor von zehn ausmacht.

Vreeman und Carroll1 haben zu dem Thema ein wenig recherchiert und die Weihnachtsausgabe des British Medical Journal mit einem nicht ganz ernst zu nehmenden Kommentar aufgelockert. Die Ergebnisse sind durchaus beachtlich. Den meisten der folgenden Aussagen würden viele Menschen wohl ohne Weiteres zustimmen:

  • Man sollte mindestes 8 Gläser Wasser am Tag trinken
  • Menschen verwenden nur etwa 10% ihrers Gehirns
  • Haare und Fingernägel wachsen nach dem Tod weiter
  • Rasieren bewirkt, dass die Haare schnelle, dichter und dunkler nachwachsen
  • Lesen bei wenig Licht ist schlecht für die Augen
  • Truthahn zu essen macht besonders schläfrig (das war mir allerdings neu)
  • Handys verursachen aufgrund ihrer elektromagnetischen Strahlung erhebliche technische Störungen in Krankenhäusern

Der Artikel ist lesenswert, da er vielleicht ein wenig zum Nachdenken und zum kritischen Umgang mit derartigen Überlieferungen anregt. Wissenschaftlich ist er freilich wenig geeignet, die angesprochenen Aussagen zu widerlegen oder überhaupt irgendeine vernünftige Aussage zu treffen. Ich persönlich bezweifle allerdings auch, dass das die Intention der Autoren war. Beispiel: Als Quelle wird neben Medline auch die Google Suche angegeben… Na ja, die teilweise recht aufgebrachten Rapid Responses weniger humorvoller Zeitgenossen (nach unten scrollen) gehen da etwas mehr in Detail.

  1. BMJ 2007;335:1288-1289 (22 December), doi:10.1136/bmj.39420.420370.25

Kann man genug wissen um überall mitzureden?

Das deutsche Museum in München ist schon eine sehr interessante Einrichtung. Ich war – leider zum ersten und einzigen Mal – vor gut 15 Jahren dort, und der Besuch hat mich damals schon beeindruckt. Im Blog zum Museum kommen die wissenschaftlich Verantwortlichen zu Wort.

Im neuesten Post geht es vordergründig um die Animation eines molekularen “Fußballs”, der von einem Benzolring in einen anderen bewegt wird. Dabei schweift der Autor jedoch auf ein anderes Thema ab, dass mich zum Nachdenken angeregt hat: Angesichts der steigenden Komplexität und Anzahl wissenschaftlicher Themengebiete, kann sich jeder überhaupt noch an allen wichtigen Disukssionen konstruktiv beteiligen? Und wenn ja, wie ginge das? Auf welche Weise kann man sich ausreichend informieren? Und wie sollte die Politik reagieren, wenn neue nutzbringende Technologien, meistens aus Gründen mangelnder Aufklärung, in der Bevölkerung überwiegend abgelehnt werden?

Für den Fall, dass man mir jetzt den Hochmut eines Fachmannes unterstellt, der die “unbequemen Laien” aus der Diskussion ausschließen will: Das ist nicht der Fall. Um meinen Gedanken zu illustrieren, zähle ich mal kurz auf, was mir an Themen spontan eingefallen ist:

  • Die Einschränkungen in der Forschung an embryonalen Stammzellen, das Stammzellgesetz
  • Der Klimawandel, seine Ursachen und dessen Bekämpfung
  • Der Kreationismus als pseudowissenschaftliche “Theorie” im Biologieunterricht
  • Klonen, wie weit darf man gehen?
  • Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Organismen, die grüne Gentechnik
  • Energiekrise
  • Nanotechnologie
  • Der Umgang mit Alternativmedizin im Gegensatz zu wissenschaftlich fundierter

Die Liste lässt sich ohne weiteres fortsetzen. Es ist meines Erachtens nach schlichtweg unmöglich, in all diesen Bereichen ausreichende Fachkenntnis zu erwerben, um jeweils alle Notwendigkeiten und Konsequenzen richtig einschätzen zu können. Ich bin als recht frisch gebackener Molekularbiologe natürlich in den fachverwandten Themen ziemlich firm, aber dennoch habe ich oft das Gefühl, für einzelne Fragen nicht gut genug informiert zu sein.

Da die Beantwortung aller eingangs gestellter Fragen, so weit man sie denn abschließend beantworten kann, den Rahmen eines Postings, wahrscheinlich den des ganzen Blogs sprengen würde, werde ich einzelne Aspekte im Rahmen einer Serie nach und nach aufgreifen.

Aus aktuellem Anlass starte ich baldmöglichst (also sobald ich Zeit finde), mit einer Betrachtung des Streits um die anstehende Novellierung des Gentechnik-Gesetzes.