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In den Vereinigten Staaten ist die auf Darwins Origin basierende Evolutionstheorie bekanntlich heftig umstritten. Es handelt sich dabei allerdings nicht, wie man zunächst denken könnte, um eine wissenschaftliche Debatte. Vielmehr versuchen bibeltreue Kreationisten (und Vertreter des fuchsigen “Intelligent Design”, das auf Bibelzitate verzichtet um diesen Blödsinn im Biologieunterricht platzieren zu können) die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit der Evolutionstheorie mit frei erfunden Dummheiten zu unterwandern.
In Florida wurde kürzlich aufgrund neuer Proposed Standards für den dortigen Biologieunterricht der Ring für die nächste Runde frei gegeben.
Die christliche Baptist Press lässt in der Einleitung des Artikels bereits ihre erstaunliche Fachkunde in wissenschaftlichen Fragestellungen erkennen:
As in other states, the debate involves whether evolution should be presented as a fact or a theory.
Ein Klassiker. Man kann es anscheinend nicht oft genug sagen: Die Theorie ist (im wissenschaftlichen Sprachgebrauch) die höchste Form wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns! Das mag zwar nicht besonders intuitiv sein, aber trotzdem ist es eine Tatsache. Wenn ein Wissenschaftler von einer Theorie spricht, dann meint er damit ein in sich widerspruchsfreies, durchs Feuer permanenter Falsifikationsversuche gegangenes und bisher unwiderlegtes System von Sätzen. Erst wenn sich eine Hypothese auf diese Art bewährt hat, wird sie in den erlauchten Kreis der anerkannten Theorien aufgenommen und unterliegt selbstverständlich weiterhin der strengen Prüfung: Wird sie irgendwann widerlegt, muss sie verworfen werden. Das ist im Fall der Evolutionstheorie beinahe 150 Jahre lang erfolglos mit äußerster Strenge versucht worden, weswegen die Theorie unter Fachleuten auch praktisch ausnahmslos anerkannt wird. Dennoch wird sie nicht, wie unterstellt, als “Fakt” oder “Dogma”, sondern als Theorie im vorgestellten Sinne gesehen und selbstverständlich auch gelehrt. Es ist durchaus tragische Ironie, dass die lautstärksten Vertreter haltloser Dogmen dieses Argument immer wieder anführen.
Ken Kendall, Vertreter der Baptist Church in Jacksonville, schießt dann noch den Vogel ab:
The language in the proposed standards, Kendall said, is dogmatic when it asserts that “evolution is the fundamental concept underlying all biology.”
Referring to the discovery that Pluto no longer is considered a planet by scientists today, Kendall said scientific opinions can change as scientists explore new information.
Nein, es ist eben nicht dogmatisch. Die Evolution ist ein fundamentales Konzept fast aller Bereiche der Biologie, zumindest nach dem heutigen Stand der Forschung. Die Krönung ist der nächste Satz, mit dem er dann sein eigenes argumentatives Kartenhaus zum Einsturz bringt.
Da wir Biologen leider auch nicht über Kristallkugeln verfügen, können wir entweder das unterrichten, was wir bisher gesammelt haben oder gar nichts. Kendall wäre dann wahrscheinlich für gar nichts, aber er ist für den Biologieunterricht zum Glück auch nicht verantwortlich.
Was der Artikel allerdings wie immer vermissen lässt sind konkrete Vorschläge der Kritiker, wie ein besserer wissenschaftlicher Biologieunterricht denn auszusehen hätte…