Beyond Reasonable Doubt

A life scientist’s thoughts on life science, evolution, religion and a bit of anything
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"Isn't it enough to see that a garden is beautiful without having to believe that there are fairies at the bottom of it too?"

- Douglas Adams, The Hitchhikers Guide To The Galaxy


Archive for the ‘Wissenschaft’


OMG

YouTube sagt dazu: “58% of French people are pretty dumb”

Naja, man muss ihnen zugute halten, dass die Größe des Publikums wohl nicht besonders repräsentativ ist. Wenigstens der Papst dürfte sich drüber freuen… ;-)

Leider erstmal nur der Link, weil der Code zum einbetten mir das ganze Layout zerschießt. :-( Ich arbeite dran…

[via]

Doch keine Dichotomie?

Im Memlog wurde gestern über die religiösen Gefühle “eingeschworener Naturalist[en]” philosophiert:

Wie geht ein eingeschworener Naturalist eigentlich mit religiösen Gefühlen um? Lehnt er diese ab oder unterdrückt er sie? Erklärt er sie wissenschaftlich (z.B. als neurochemisches Feuerwerk)? [...]

Da ich beides, Naturalismus und Religion, bisher eigentlich für unvereinbar hielt, habe ich weitergelesen und musste etwas darüber nachdenken. Und weil im Verlauf des Postings vorgeschlagen wird, “der Wissenschaftler” könnte (unter anderen) eine Antwort haben, fühle ich mich auch zu einer solchen genötigt.

Zuerst aber Folgendes: Als Beispiel für die religiösen Gefühle wird im weiteren Verlauf ein von Gänsehaut begleitetes Kribbeln im Angesicht der relativen Größe des Autors zur scheinbar unendlichen Weite des Alls angeführt. Meine Definition religiöser Gefühle wäre eine andere, daher kann es gut sein, dass wir gleich etwas aneinander vorbei diskutieren…

Dennoch, Defintion hin oder würde ich für mich beanspruchen, keine solchen Gefühle zu haben. Sicher, der Mensch kann viele Größenordnungen, ein gutes Beispiel ist die unseres Universums, ganz einfach nicht begreifen. Dafür sind unsere Gehirne eben nicht ausgelegt. Die Entwicklung des menschlichen Gehirns, wie auch das aller anderen Arten (die eines besitzen), ist nun mal von selektiver Notwendigkeit geprägt. Daher ist es der so genannte Mesokosmos, der Bereich der (relativ zu uns) mittleren Größen, den wir erfassen können. Strahlung, die sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, Umfang und Masse des Pluto (sei es nun ein Planet oder nicht), ein Wassermolekül oder der absolute Nullpunkt liegen ohne erhebliche Abstraktion außerhalb unseres Vorstellungsvermögens. Sicher lässt unsere überlegene intellektuelle Leistungsfähigkeit auf den ersten Blick einen anderen Schluß zu, aber auch das lässt sich auf biologische Weise befriedigend erklären (wurde, zum Beispiel hier, auch schon gemacht).

Soll dieser entwicklungsbiologisch bedingte Sachverhalt nun aber religiöse oder andere mystische Gefühle in mir wecken? Nein, das tut er nicht. Ehrfucht? Ja, das manchmal schon. Aber es sind weniger die etwa 100 Milliarden Lichtjahre des Weltalls, die so etwas bewirken. Dafür reicht ein Biologielehrbuch aus. Ich halte die Ehrfurcht vor den Leistungen der Natur und dem Leben auch für kein mystisches, also übernatürliches Gefühl. Und “wirkliche” religiöse Gefühle, die sich aus der vermeintlichen Existenz eines übernatürlichen Wesens entwickeln, verschließen sich dem Naturalisten per definitionem ja schon. Glaubte er an solche, wäre er kein Naturalist…

Vielleicht lässt sich aus dieser Geschichte ein Stöckchen machen? Sollte sich ein Künstler oder Philosoph (oder auch noch ein Wissenschaftler anderen Fachgebiets) hier einfinden, dann wäre es schön wenn er das Thema bei sich aufgreift.

Vielleicht wird es wahr, wenn wir es einfach immer wiederholen

[via]

In den Vereinigten Staaten ist die auf Darwins Origin basierende Evolutionstheorie bekanntlich heftig umstritten. Es handelt sich dabei allerdings nicht, wie man zunächst denken könnte, um eine wissenschaftliche Debatte. Vielmehr versuchen bibeltreue Kreationisten (und Vertreter des fuchsigen “Intelligent Design”, das auf Bibelzitate verzichtet um diesen Blödsinn im Biologieunterricht platzieren zu können) die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit der Evolutionstheorie mit frei erfunden Dummheiten zu unterwandern.

In Florida wurde kürzlich aufgrund neuer Proposed Standards für den dortigen Biologieunterricht der Ring für die nächste Runde frei gegeben.

Die christliche Baptist Press lässt in der Einleitung des Artikels bereits ihre erstaunliche Fachkunde in wissenschaftlichen Fragestellungen erkennen:

As in other states, the debate involves whether evolution should be presented as a fact or a theory.

Ein Klassiker. Man kann es anscheinend nicht oft genug sagen: Die Theorie ist (im wissenschaftlichen Sprachgebrauch) die höchste Form wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns! Das mag zwar nicht besonders intuitiv sein, aber trotzdem ist es eine Tatsache. Wenn ein Wissenschaftler von einer Theorie spricht, dann meint er damit ein in sich widerspruchsfreies, durchs Feuer permanenter Falsifikationsversuche gegangenes und bisher unwiderlegtes System von Sätzen. Erst wenn sich eine Hypothese auf diese Art bewährt hat, wird sie in den erlauchten Kreis der anerkannten Theorien aufgenommen und unterliegt selbstverständlich weiterhin der strengen Prüfung: Wird sie irgendwann widerlegt, muss sie verworfen werden. Das ist im Fall der Evolutionstheorie beinahe 150 Jahre lang erfolglos mit äußerster Strenge versucht worden, weswegen die Theorie unter Fachleuten auch praktisch ausnahmslos anerkannt wird. Dennoch wird sie nicht, wie unterstellt, als “Fakt” oder “Dogma”, sondern als Theorie im vorgestellten Sinne gesehen und selbstverständlich auch gelehrt. Es ist durchaus tragische Ironie, dass die lautstärksten Vertreter haltloser Dogmen dieses Argument immer wieder anführen.

Ken Kendall, Vertreter der Baptist Church in Jacksonville, schießt dann noch den Vogel ab:

The language in the proposed standards, Kendall said, is dogmatic when it asserts that “evolution is the fundamental concept underlying all biology.”
Referring to the discovery that Pluto no longer is considered a planet by scientists today, Kendall said scientific opinions can change as scientists explore new information.

Nein, es ist eben nicht dogmatisch. Die Evolution ist ein fundamentales Konzept fast aller Bereiche der Biologie, zumindest nach dem heutigen Stand der Forschung. Die Krönung ist der nächste Satz, mit dem er dann sein eigenes argumentatives Kartenhaus zum Einsturz bringt.
Da wir Biologen leider auch nicht über Kristallkugeln verfügen, können wir entweder das unterrichten, was wir bisher gesammelt haben oder gar nichts. Kendall wäre dann wahrscheinlich für gar nichts, aber er ist für den Biologieunterricht zum Glück auch nicht verantwortlich.

Was der Artikel allerdings wie immer vermissen lässt sind konkrete Vorschläge der Kritiker, wie ein besserer wissenschaftlicher Biologieunterricht denn auszusehen hätte…