Beyond Reasonable Doubt

A life scientist’s thoughts on life science, evolution, religion and a bit of anything
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"Isn't it enough to see that a garden is beautiful without having to believe that there are fairies at the bottom of it too?"

- Douglas Adams, The Hitchhikers Guide To The Galaxy


Kann man genug wissen um überall mitzureden?

Das deutsche Museum in München ist schon eine sehr interessante Einrichtung. Ich war – leider zum ersten und einzigen Mal – vor gut 15 Jahren dort, und der Besuch hat mich damals schon beeindruckt. Im Blog zum Museum kommen die wissenschaftlich Verantwortlichen zu Wort.

Im neuesten Post geht es vordergründig um die Animation eines molekularen “Fußballs”, der von einem Benzolring in einen anderen bewegt wird. Dabei schweift der Autor jedoch auf ein anderes Thema ab, dass mich zum Nachdenken angeregt hat: Angesichts der steigenden Komplexität und Anzahl wissenschaftlicher Themengebiete, kann sich jeder überhaupt noch an allen wichtigen Disukssionen konstruktiv beteiligen? Und wenn ja, wie ginge das? Auf welche Weise kann man sich ausreichend informieren? Und wie sollte die Politik reagieren, wenn neue nutzbringende Technologien, meistens aus Gründen mangelnder Aufklärung, in der Bevölkerung überwiegend abgelehnt werden?

Für den Fall, dass man mir jetzt den Hochmut eines Fachmannes unterstellt, der die “unbequemen Laien” aus der Diskussion ausschließen will: Das ist nicht der Fall. Um meinen Gedanken zu illustrieren, zähle ich mal kurz auf, was mir an Themen spontan eingefallen ist:

  • Die Einschränkungen in der Forschung an embryonalen Stammzellen, das Stammzellgesetz
  • Der Klimawandel, seine Ursachen und dessen Bekämpfung
  • Der Kreationismus als pseudowissenschaftliche “Theorie” im Biologieunterricht
  • Klonen, wie weit darf man gehen?
  • Lebensmittel aus gentechnisch veränderten Organismen, die grüne Gentechnik
  • Energiekrise
  • Nanotechnologie
  • Der Umgang mit Alternativmedizin im Gegensatz zu wissenschaftlich fundierter

Die Liste lässt sich ohne weiteres fortsetzen. Es ist meines Erachtens nach schlichtweg unmöglich, in all diesen Bereichen ausreichende Fachkenntnis zu erwerben, um jeweils alle Notwendigkeiten und Konsequenzen richtig einschätzen zu können. Ich bin als recht frisch gebackener Molekularbiologe natürlich in den fachverwandten Themen ziemlich firm, aber dennoch habe ich oft das Gefühl, für einzelne Fragen nicht gut genug informiert zu sein.

Da die Beantwortung aller eingangs gestellter Fragen, so weit man sie denn abschließend beantworten kann, den Rahmen eines Postings, wahrscheinlich den des ganzen Blogs sprengen würde, werde ich einzelne Aspekte im Rahmen einer Serie nach und nach aufgreifen.

Aus aktuellem Anlass starte ich baldmöglichst (also sobald ich Zeit finde), mit einer Betrachtung des Streits um die anstehende Novellierung des Gentechnik-Gesetzes.

Sie haben ihn sich verdient

Der Gewinner des Dodo des Monats für den Januar 2008 ist gefunden: Pro7 erhält die “Auszeichnung” für ihre mystische Verblödungsshow The next Uri Geller. Ich spare mir den Verriss an dieser Stelle, einfach mal bei Google eingeben… ;-)

OMG

YouTube sagt dazu: “58% of French people are pretty dumb”

Naja, man muss ihnen zugute halten, dass die Größe des Publikums wohl nicht besonders repräsentativ ist. Wenigstens der Papst dürfte sich drüber freuen… ;-)

Leider erstmal nur der Link, weil der Code zum einbetten mir das ganze Layout zerschießt. :-( Ich arbeite dran…

[via]

Doch keine Dichotomie?

Im Memlog wurde gestern über die religiösen Gefühle “eingeschworener Naturalist[en]” philosophiert:

Wie geht ein eingeschworener Naturalist eigentlich mit religiösen Gefühlen um? Lehnt er diese ab oder unterdrückt er sie? Erklärt er sie wissenschaftlich (z.B. als neurochemisches Feuerwerk)? [...]

Da ich beides, Naturalismus und Religion, bisher eigentlich für unvereinbar hielt, habe ich weitergelesen und musste etwas darüber nachdenken. Und weil im Verlauf des Postings vorgeschlagen wird, “der Wissenschaftler” könnte (unter anderen) eine Antwort haben, fühle ich mich auch zu einer solchen genötigt.

Zuerst aber Folgendes: Als Beispiel für die religiösen Gefühle wird im weiteren Verlauf ein von Gänsehaut begleitetes Kribbeln im Angesicht der relativen Größe des Autors zur scheinbar unendlichen Weite des Alls angeführt. Meine Definition religiöser Gefühle wäre eine andere, daher kann es gut sein, dass wir gleich etwas aneinander vorbei diskutieren…

Dennoch, Defintion hin oder würde ich für mich beanspruchen, keine solchen Gefühle zu haben. Sicher, der Mensch kann viele Größenordnungen, ein gutes Beispiel ist die unseres Universums, ganz einfach nicht begreifen. Dafür sind unsere Gehirne eben nicht ausgelegt. Die Entwicklung des menschlichen Gehirns, wie auch das aller anderen Arten (die eines besitzen), ist nun mal von selektiver Notwendigkeit geprägt. Daher ist es der so genannte Mesokosmos, der Bereich der (relativ zu uns) mittleren Größen, den wir erfassen können. Strahlung, die sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, Umfang und Masse des Pluto (sei es nun ein Planet oder nicht), ein Wassermolekül oder der absolute Nullpunkt liegen ohne erhebliche Abstraktion außerhalb unseres Vorstellungsvermögens. Sicher lässt unsere überlegene intellektuelle Leistungsfähigkeit auf den ersten Blick einen anderen Schluß zu, aber auch das lässt sich auf biologische Weise befriedigend erklären (wurde, zum Beispiel hier, auch schon gemacht).

Soll dieser entwicklungsbiologisch bedingte Sachverhalt nun aber religiöse oder andere mystische Gefühle in mir wecken? Nein, das tut er nicht. Ehrfucht? Ja, das manchmal schon. Aber es sind weniger die etwa 100 Milliarden Lichtjahre des Weltalls, die so etwas bewirken. Dafür reicht ein Biologielehrbuch aus. Ich halte die Ehrfurcht vor den Leistungen der Natur und dem Leben auch für kein mystisches, also übernatürliches Gefühl. Und “wirkliche” religiöse Gefühle, die sich aus der vermeintlichen Existenz eines übernatürlichen Wesens entwickeln, verschließen sich dem Naturalisten per definitionem ja schon. Glaubte er an solche, wäre er kein Naturalist…

Vielleicht lässt sich aus dieser Geschichte ein Stöckchen machen? Sollte sich ein Künstler oder Philosoph (oder auch noch ein Wissenschaftler anderen Fachgebiets) hier einfinden, dann wäre es schön wenn er das Thema bei sich aufgreift.

Was man über Homöopathie wissen sollte

Auf dem Blog Science-Based Medicine schreiben vier Mediziner hervorragend fundierte Artikel gegen die verschiedenen Spielarten der complementary and alternative medicine (CAM), und wie ich finde sticht dabei eine Serie über Homöopathie besonders hervor. Es ist oft etwas schwierig, spontan auf Behauptungen wie zum Beispiel “Bei mir hat es funktioniert” und “Effekte sind wissenschaftlich nachgewiesen” die richtige Antwort zu finden. Hier sind die wichtigsten (und noch einige mehr) unterhaltsam zusammengefasst.

Die bisher erschienen Artikel der Serie gibt es hier, hier, hier und hier. Da die Postings so gut und umfassend sind wie sie eben sind, unterdrücke ich meinen Drang den Inhalt an dieser Stelle noch zusätzlich in eigene Worte zu fassen. Stattdessen wünsche ich einfach eine angenehme Lektüre – und dabei einen schönen Start ins Wochenende!

Nur ein Zitat aus dem Kommentaren muss ich noch bringen:

I think that many of the woo-meisters wish the whole idea would go away. They would like to believe that “the plural of testimonial is evidence.”

:-D